Mein spontaner Theaterauftritt und die brasilianische Unabhängigkeit

1500 landete zum ersten Mal ein Europäer in Brasilien und nahm den Fleck Erde für seinen portugiesischen König in Besitz. Aus Europa kamen viele Siedler, vor allem aus Portugal. Die Brasilianer versklavten die Ureinwohner, verschleppten Afrikaner und wurden bald zur stärksten Zuckermacht der Welt, im 18. Jahrhundert zum größten Goldproduzenten. 1807 floh der portugiesische Königshof vor Napoleon und fand Zuflucht in der Kolonie. Dem Prinzregenten Dom João gefiel es in Südamerika dann aber so gut, dass er selbst nach Frankreichs Niederlage acht Jahre später nicht zurück wollte. Also proklamierte er das Vereinigte Königreich von Portugal und Brasilien und regierte von Rio de Janeiro aus. Joãos Sohn Dom Pedro I. rief dann im Jahr 1822 ganz pathetisch "Independência ou morte!" und erklärte sich dabei zum Kaiser des unabhängigen Kaiserreichs Brasilien. Dieser Tag wird in Brasilien jährlich am 7. September gefeiert. 

Meine Schule führte ein Theaterstück auf, in dem 11 und 12-jährige Kinder die Geschichte ihres Landes nachspielten. Einige Tage vor der Aufführung durfte ich ein Referat über mein Leben in Deutschland (auf Portugiesisch!) halten. Als ich erzählt habe, dass ich Theater spiele und mein Dirndl mitgebracht habe, wurde ich von meinem Lehrer gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mit meiner "historischen Kleidung" bei dem Stück als Komparse mitzuspielen. Ich habe natürlich zugesagt. Obwohl ich bei keiner einzigen Probe dabei war, fand ich mich also zwei Tage später backstage wieder und wusste immer noch nicht, was ich denn eigentlich machen soll. Kurz vor meinem Auftritt wurde mir dann ein Mädchen vorgestellt, dem ich auf die Bühne folgen sollte, ich bin ihr dann einfach nachgelaufen. Ich habe mich sehr gefreut dabei sein zu dürfen.


Das Theaterstück "Os filhos deste solo" (Die Kinder dieses Bodens)

Nach der Vorstellung war ich beim Pizza essen. In den Pizzerien hier  zahlt man einmal 20 Reais (umgerechnet circa fünf Euro) und kann dann den ganzen Abend essen. Die Kellner gehen ständig mit verschiedenen Pizzen durch die Tische und man kann alles probieren. Viele lassen hier den Rand weg, nicht nur weil er ihnen weniger schmeckt, sondern auch, weil man dann mehr probieren kann. Neben den Pizzasorten, die ich schon kannte, gibt es hier auch süße Pizzen, zum Beispiel mit Schokolade und Erdbeeren. Das Ganze war unglaublich lecker und wer mich kennt, weiß, dass das Restaurant bei mir mit 20 R$ für all-you-can-eat - Pizza wohl kaum Geschäfte machen konnte.

Am Montag, den 4. September gab es in der Schule während der Unterichtszeit eine Gedenkfeier zur Unabhängigkeit, für die sich die Schüler und Lehrer im Schulhof versammelt haben. Ein Lehrer hielt eine flammende Rede über das Vaterland Brasilien, die Schauspieler des Theaters hatten einen kleinen Auftritt, die Nationalhymne wurde gesungen und die brasilianische Flagge wurde gehisst, die immer neben der des Bundesstaats Santa Catarina und der der Stadt Laguna im Schulhof weht. Außerdem hatte ich als Musikerin einen Auftritt.


Die Flagge von Brasilien, Santa Catarina und Laguna im Schulhof

Zwei Wochen zuvor habe ich nämlich bei einer Probe der Trommlergruppe meiner Schule zugeschaut, die für die Parade am 7. September geübt hat. Eigentlich waren alle Instrumente vergeben, da aber ein Mädchen kurzfristig abgesprungen ist, durfte ich am Becken  mitspielen.

Der Umzug war dann am Donnerstag. An der Parade nehmen Polizei, Militär, Feuerwehr, Schulen und Vereine teil. Die meisten Schüler meiner Schule waren in den Umzug integriert. Die kleineren mit Blockflöten, die Theaterschauspieler mit ihren Kostümen, es gab Tänzer und die Trommlergruppe, bei der ich mitgespielt habe. Viele Schüler liefen einfach so mit. Für mich war es eine Ehre, als Ausländerin dabei sein zu dürfen. Eigentlich gibt es eine extra Uniform für die Musiker. Da meine Schule dieses Jahr aber leider zu wenige hatte, mussten wir mit der normalen Schulkleidung und lediglich dem Hut der Musiker-Uniform marschieren.


Die Trommlergruppe, ich bin rechts im Hintergrund

Letze Woche war ich leider krank. Mir geht es aber schon besser, ich war auch wieder in der Schule und bin bereit Brasilien weiter zu erkunden.

Beijos,

Maria



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Kommentare

  1. Wir freuen uns sehr, von Deinem Leben in Brasilien zu erfahren. Viel Freude und gute Tage!

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